Das EU-Mercosur-Abkommen: Chancen, Risiken, Perspektiven

Podiumsdiskussion des LMU Lateinamerika Netzwerkes

Das EU-Mercosur-Abkommen: Chancen, Risiken, Perspektiven

Das LMU Lateinamerika Netzwerk lädt zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion ein, um die vielschichtigen Perspektiven auf das EU-Mercosur-Abkommen aus Sicht von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu beleuchten. 

Am 17. Januar 2026 unterzeichnete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Asunción das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Damit entstünde die größte Freihandelszone der Welt, die mit über 700 Millionen Menschen etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung umfasst und ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung repräsentiert.

Das Abkommen schafft eine Verbindung zwischen zwei Kontinenten, die über den reinen Warenhandel hinausgeht und u.a. auch Standards für ökologische Nachhaltigkeit festlegt. Damit wandelt sich der Mercosur von einer primär regionalen Zollunion zu einem global agierenden Handelspartner. Dies hat auch weitreichende Konsequenzen für andere Staaten Lateinamerikas und beeinflusst die geopolitische Lage insgesamt. Allerdings sieht sich das Projekt unmittelbar nach der Unterzeichnung neuen Herausforderungen ausgesetzt: Das Europäische Parlament hat eine rechtliche Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof beauftragt, um die Vereinbarkeit des Abkommens mit den EU-Verträgen, insbesondere mit Umweltstandards und dem Vorsorgeprinzip, zu klären. Die Ratifizierung des Abkommens verzögert sich womöglich um weitere Jahre.

Diese Entwicklung spiegelt die öffentliche Kontroverse in Europa wider. Während Befürworter eine Stärkung der regelbasierten Weltwirtschaftsordnung und neue Absatzmärkte für die Industrie erwarten, thematisieren Kritiker Belastungen für die europäische Landwirtschaft und die Sicherung ökologischer Standards. Welche Wirkung wird die Marktöffnung auf den europäischen Binnenmarkt haben? Was bedeutet der erleichterte Import landwirtschaftlicher Güter für die Agrarindustrie in Europa? Wie lassen sich etablierte Standards für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz in einer interkontinentalen Handelszone dauerhaft sichern? Welche Bedeutung gewinnt die EU für die zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Lateinamerika? Welche geopolitischen und sozio-ökonomischen Veränderungen gehen insgesamt für die Region Lateinamerika von diesem Abkommen aus? Die Veranstaltung bietet ein Forum, um diese Fragen abzuwägen und Chancen sowie Risiken für Europa und eine stabile globale Wirtschaftsordnung inmitten geopolitischer Neuordnungen aufzuzeigen.

Gäste:

  • Lisandra Flach, Professorin für Ökonomik der Globalisierung, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, ifo München
  • Johannes Glückler, Lehrstuhl Wirtschaftsgeographien der Zukunft, Department für Geographie, LMU München
  • Mari-Lizette Malherbe, Mitglied des Vorstands, Verantwortungsbereich Life & Health, Munich RE, München
  • Bettina Rudloff, Expertin für Agrarhandel und globale Ernährungsfragen, Stiftung Wissenschaft und Politik - SWP), Berlin
  • Isabella Timm-Guri, Direktorin, Fachbereich Erzeugung und Vermarktung, Bayerischer Bauernverband, München

ModerationBenjamin Loy, Professor für Romanische Philologie, Institut für Romanische Philologie, LMU München

Anmeldung über den QR-Code im Veranstaltungsplakat.

Flyer Diskussion Mercosur